Zeichen „nachträglicher Zivilcourage“ setzen

Oberhessische Zeitung vom 06.12.2014

Die Stadt wird den Verein „Gedenkstätte Speier Angenrod“ mit 25 000 Euro aus der Erbschaft Riechers unterstützen, wenn es für den Magistrat keine juristischen Bedenken gibt. Das beschlossen die Stadtverordneten mit den Stimmen der SPD-ALA-Koalition und einer Stimme aus den Reihen der CDU.

Der Verein möchte das historische Gebäude von einer jüdischen Erbengemeinschaft übernehmen und zunächst sichern und das Dach sanieren. Dafür hat das Landesamt für Denkmalpflege bereits eine Förderung in Höhe von ebenfalls 25 000 Euro in Aussicht gestellt, die eine anteilige Beteiligung der Stadt erfordert. Diese wird nun aus den Mitteln der Erbschaft Riechers, die für kulturelle und historische Zwecke genutzt werden soll, bereitgestellt.

Eindringlich warb Florian Sauermann (SPD) für die Zustimmung der Fraktionen. Es gehe nicht um den Erhalt irgendeines alten baufälligen Fachwerkhauses, es „handelt sich um ein Haus, in dem die letzten lebenden jüdischen Mitbürger ihre letzte Nacht in ihrer Heimat verbringen mussten, ehe sie von den Nationalsozialisten auf Lkw verladen und in ein Konzentrationslager abtransportiert wurden.“ Deshalb liege es in „unserer Verantwortung, ob wir uns erinnern“ und ein Zeichen der „nachträglichen Zivilcourage“ setzen, und den Verein unterstützen.

Inhaltlich konnte sich die CDU-Fraktion dem anschließen, wie Hartmut Koch erklärte. Allerdings sah diese juristische Probleme, da die Eigentumsverhältnisse noch nicht geklärt seien. Deswegen hätte die CDU einen Antrag über die Vereinsförderung bevorzugt. Für die UWA und FDP sprach gegen den Antrag, dass sie fürchteten, dass das Haus Speier für Alsfeld „ein Fass ohne Boden sein wird“, wie Martin Räther seine Ablehnung begründete.

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